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Amadeus

Der Zugverkehr in Europa verändert sich. Mit dem wachsenden Bewusstsein für die Umweltauswirkungen des Reisens gewinnt die „No-Fly“-Bewegung an Dynamik. Die Reisenden erkennen, dass die Bahn das umweltfreundlichste Verkehrsmittel ist. Gleichzeitig sehen wir eine wachsende Zahl von grenzüberschreitenden Schienennetzen mit steigendem Komfort und einer Vielzahl von Hochgeschwindigkeits-Fernverkehrsoptionen. Dies führt zu einer höheren Nachfrage und die Bahn entwickelt sich zu einem bevorzugten Verkehrsmittel für Reisen bis zu 300 km Entfernung.

Vor diesem Hintergrund legen wir heute ein Diskussionspapier vor, um die Auswirkungen des vierten Eisenbahnpakets auf die Branche zu untersuchen und herauszufinden, wie sich die Art und Weise, in Europa zu reisen, verändern könnte.

In den letzten zwei Jahrzehnten hat der Europäische Rat, ein kollektives Gremium das sich aus den Staats- und Regierungschefs der EU-Mitgliedstaaten zusammensetzt und die allgemeine politische Richtung und die Prioritäten der Europäischen Union festlegt, das "Eisenbahn-Infrastrukturpaket" verabschiedet. Ein Bündel von Maßnahmen soll die Öffnung der Netze und Dienste für den Personen- und Güterverkehr in den Mitgliedstaaten fördern. Das erste Paket im Jahr 2001 legte die Grundlagen für die Reform, Standardisierung und Integration des europäischen Eisenbahnverkehrsnetzes. Das zweite (2004) und das dritte (2007) konzentrierte sich auf den grenzüberschreitenden Personenverkehr, die Sicherheitsstandards und die Tarife. Alle Pakete stellen Schritte zu einem gemeinsamen EU-Ziel dar: die Schaffung eines einheitlichen europäischen Eisenbahnraums (SERA) und die Übernahme einheitlicher Standards, Rechte und Vorschriften in allen EU-Mitgliedstaaten.

Das vierte Eisenbahnpaket

Das europäische Schienennetz muss die Standards weiter vereinheitlichen und es neuen Marktteilnehmern ermöglichen, Chancen zu nutzen, um einen voll funktionsfähigen einheitlichen Eisenbahnraum zu schaffen. In unserem neuen Diskussionspapier 'Opening Europe: Rail Liberalization and the Passenger Experience’ wird untersucht, wie das vierte Eisenbahnpaketvon 2016 sowohl den Markt als auch technische Aspekte einbeziehen wird, um Vorschriften stärker zu harmonisieren. Die Märkte der Mitgliedsstaaten sollen sich für neue Bahnbetreiber öffnen und es den europäischen Bahnen ermöglichen, Personenverkehrsdienste überall in der EU anzubieten. Die technischen Aspekte konzentrieren sich auf Sicherheit, Regulierung und Interoperabilität. Sie werden die Rolle der Europäischen Eisenbahnagentur erweitern und der EU eine stärkere Marktposition geben. Dieses letzte Maßnahmenpaket soll SERA in die Realität umsetzen.

Der Fahrgast steht im Mittelpunkt des europäischen Schienenverkehrs

Unser Diskussionspapier besagt, dass ein stärkerer Wettbewerb die Bahnbetreiber dazu ermutigen wird, stärker auf die Kundenbedürfnisse einzugehen und Kosten effizienter zu gestalten. Wir erwarten eine immer größere Vielfalt an Angeboten und eine bessere Qualität der Dienstleistungen für Reisende in Europa. Mehr Auswahl könnte auch bedeuten, dass der Schwerpunkt auf dem multimodalen Verkehr liegt - dies könnte die Betreiber dazu ermutigen, Angebote wie Langstreckenbusse oder Mitfahrgelegenheiten einzubinden. Die Folgen könnten auch Verbesserungen beim Fahrkarten-Verkauf und wettbewerbsfähige Preise in Echtzeit sein.

Da der europäische Markt noch immer fragmentiert ist, werden die unmittelbaren Auswirkungen für die Fahrgäste von Land zu Land unterschiedlich sein. Etablierte Märkte wie Deutschland, die bereits über wettbewerbsorientierte Praktiken verfügen, werden Verbesserungen nicht auf Anhieb spüren. Spanien zum Beispiel wird ab Ende 2020 dem Wettbewerb von mindestens zwei neuen Marktteilnehmern ausgesetzt sein. Der etablierte Bahnbetreiber Renfe bereitet sich bereits darauf vor und wird ab April 2020 ein neues kostengünstiges Angebot auf der Hauptstrecke zwischen Madrid und Barcelona einführen. Dies sind nur einige Beispiele dafür, dass wir neue Geschäftsmodelle mit neuen Angeboten für die Kunden sehen, wie es sie in den letzten 20 Jahren nicht gegeben hat.

Andere Länder wie beispielsweise Italien haben sich schnell auf die Liberalisierung zubewegt. NTV war die erste Eisenbahn dieser Art, die als direkte Antwort auf die Liberalisierung entwickelt wurde. Der Betreiber begann, mit dem internen italienischen Betreiber Trenitalia zu konkurrieren. Als Reaktion auf den Markteintritt von NTV erkannte Trenitalia die Notwendigkeit, seine Fahrgäste besser zu verstehen, und investierte folglich stark in Marktforschung und Ertragsmanagementsysteme, um ein verbessertes Produkt und ein attraktiveres Preissystem anbieten zu können.

Zusammenarbeit ist der Schlüssel

Der Erfolg des vierten Eisenbahnpakets wird weitgehend davon abhängen, ob die Betreiber die Vorteile einer Zusammenarbeit erkennen, mit denen sich gemeinsame Ziele erreichen lassen. Dies kann auf unterschiedliche Weise interpretiert werden, z. B. durch gemeinsame Daten, die zu einem besseren Verständnis der Strecken führen, deren Wert so verbessert werden kann; durch ein besseres Verständnis der gemeinsamen Passagierdaten, die den Betreibern helfen können, personalisiertere Dienstleistungen anzubieten; und durch multimodale Transfers, um Reisenden einen Service „von Tür zu Tür“ anzubieten.

Heutzutage erhöhen Technologie und die "On-Demand"-Wirtschaft die Erwartungen der Fahrgäste an einen qualitativ hochwertigen, effizienten Service, der die Reise zum angenehmen Erlebnis werden lässt. Sie suchen nach maßgeschneiderten Dienstleistungen und einer größeren Auswahl sowie Flexibilität. Für den europäischen Schienenverkehr kommt das vierte Eisenbahnpaket zu einem kritischen Zeitpunkt.

Wir bei Amadeus haben uns verpflichtet, mit allen Bahnbetreibern zusammenzuarbeiten, um neue Chancen zu nutzen, und wir werden weiterhin darauf drängen, dass der Bahnreisende im Mittelpunkt aller Entscheidungen steht. Diese Verpflichtung gegenüber unseren Bahnbetreiber-Kunden sowie die Technologie, die wir liefern, sind ein Spiegelbild des von uns geschaffenen Live Travel Space.Wir begegnen den Akteuren des Reisemarktes auf offene, dynamische und vernetzte Weise mit innovativen Lösungen, die es ihnen ermöglichen, den Reisenden von heute bei jedem Schritt ihrer Reise zu bedienen.

Klicken Sie unten, um unser neues Diskussionspapier herunterzuladen, das sich mit der Bahnliberalisierung in Europa befasst. 

Opening up Europe: Rail Liberalization and the passenger experience (auf Englisch)

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Markierungen

Europa, Reiseerlebnisse, Live Travel Space


Dieser Artikel ist auch in den folgenden Sprachen verfügbar: Englisch, Español